Der Werder ist das Überschwemmungsgebiet zwischen Deich und Elbe . Er ist bei Werben fast 1 Kilometer breit. Auf ihm stehen viele Weiden, die der Stadt Werben bei ihrem Namen Pate standen (slawisch wirbina = Weidenbusch). Die Weiden sind auch eine Hauptnahrungsquelle für die vielen Elbebiber.

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Ein Castor in Werben

Spätestens seit den Problemen im Wendland mit dem Endlager, weiß jeder was ein Castor ist und welch ein Aufwand betrieben wird um ihn zu schützen. Aber Biologen, Lateiner oder sonstige Interessierte kennen noch einen schützenswerten Castor- den Castor fiber albicus – den Elbebiber- mit 1,40 m Länge und einem Gewicht von über 30 kg - das größte lebende Europäische Nagetier. Aber im Gegensatz zum radioaktiven Müllbehälter, vor dem man die Menschen schützen muss, ist es bei dem Pelzträger umgekehrt. Er stand schon kurz vor seinem aus und wäre dann nur noch eine Legende in alten Büchern gewesen. Sein wasserdichter Pelz war schon immer ein begehrter Rohstoff für Hüte und Mäntel. Der geschuppte Schwanz war für die Mönche im Mittelalter ein Zeichen dafür, dass er ein Fisch war und somit zur Fastenzeit gegessen werden durfte. Der Schaden, den er durch seine Wasserbauten anrichtete, indem er in kleinen Bächen Hochwasser hervorrief, oder indem er in Deichen versuchte Bauten anzulegen machten ihn bei den Menschen nicht beliebter. Dazu kam noch das Bibergeil, ein Drüsensekret, welches bei Potenzschwäche helfen sollte. Als Jagdbeute war Meister Bockert – wie er in Fabeln heißt - schon immer sehr beliebt. Dass er die DDR und die total vergiftete Elbe überlebt hat ist eigentlich ein Wunder, allerdings stand er schon damals unter Naturschutz und war ein Exportgut, mit dem man im NSW Aufmerksamkeit erregen und ein, zwei Westmark ergattern konnte.

Letztes Jahr, im Spätherbst, hatten wir in Werben Besuch von so einem Castor. Er inspizierte den Wall, die Fabianstraße und den Kirchplatz. Einige Anwohner waren sehr irritiert, sie dachten es wäre ein Waschbär und verständigten den zuständigen Jäger – aber der Pelzträger wurde identifiziert und genoss seine Immunität. Als Waschbär hätte er keine Schonzeit gehabt und wäre wahrscheinlich in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Als vorbeugenden Schutz der Linden auf dem Kirchplatz wurde er dann von beherzten Bürgern lebend eingefangen und zur Elbe transportiert und somit war die Chance eine neue Unterart des Bibers - den Castor fiber werbensis – zu züchten vertan.

Nach dem Elbehochwasser 2002 konnte man an Hand von Nagespuren im oberen Bereich der Weiden und Pappeln ersehen, wie hoch das Wasser gestiegen war. Da die Pelzträger nicht in Bäume klettern, wurden so Wasserstandsmarken biologisch gesetzt.

Einen Besuch in einer größeren Stadt gab es einst in Augsburg, wo ein Biber es sich mitten auf einer Kreuzung zweier Hauptstraßen bequem gemacht hatte. Schnell bildete sich ein Stau in jede Richtung. Kein Automobilist traute sich an dem Nager vorbeizufahren, denn bei der Größe des Tieres hätte es ja eine entsprechende Beule im Blech geben können. Endresultat – der Castor wurde, wie sein stählender Namensvetter, von Polizeikräften weitereskortiert bis er in Sicherheit war.

Bei beiden Ausflügen hatte der tierische Baumfäller Glück, dass das Mittelalter gerade so überwunden ist und keine fastenden Mönche in der Nähe waren und das man sich für die Beseitigung von Blechschäden an fahrbaren Untersätzen für Jahre verschulden muß.