|
|
|
Storch
Störche und Werben gehören in der Gegenwart zusammen wie
Werben und (Elbe). Aus Erzählungen weiß ich, dass noch im 1000-jährigen eine
Scheune nach Seehausen raus stand auf der ein Storchennest war, welches zu den
Urnestern in Werben zählte. Selber habe ich es nie gesehen. Meine ersten
Erinnerungen an Störche sind Erinnerungen an die vom Hungerturm – eigentlich
kein Wunder – ich wurde im heutigen Kindergarten geboren und da hatte Adebar
keinen weiten Weg um mich zu bringen nur ungefähr 50 Meter.
Aber es gab auch ein Nest in Neugoldbeck, das einzige
Nest eines Weißstorches auf einem Baum, das ich je gesehen habe. Das Nest wurde
bei einem Gewitter zerstört und nie wieder angenommen.
Für lange Zeit waren diese die einzigen Wohnungen der
Werbener Störche – bis eines Tages ein Storch auf einer Zinne unseres
alterwürdigen Elbtores sein Domizil aufschlug und eine Familie gründete. Es wäre
ja eigentlich kein Problem gewesen, wenn nicht das Elbtor eine
Aussichtsplattform mit einer wunderschönen Rundumsicht für Werbener und ihre
Gäste gehabt hätte. Diese Plattform war nun für die Zeit der Brutpflege tabu.
Also musste eine Idee her- und sie kam. Als im Nest die Jungen geschlüpft waren
wurde der Möbelwagen in Form einer Leiter und beherzter Bürger bestellt und das
Nest zog mit samt dem Inhalt auf eine nahe gelegene Scheune um und die
Storcheneltern hinterher. Somit war das Panorama wieder zu genießen. Aber nur
bis zum nächsten Jahr, denn da wurde die umgesiedelte Behausung besetzt und die
gleiche Zinne des Elbtores wieder und Werben hatte ein Storchenpaar mehr. Und
das Spiel begann von vorn. Die neue Unterkunft befand sich auf der Salzkirche. Um
das ganze nicht in einer „never ending story“ ausufern zu lassen, wurden
Storchenabweiser in Form von Regenschirmgestellen auf die Zinnen gepflanzt.
Aber man hatte die Störche nicht gefragt ob die Gestelle beim Nestbau stören
würden und so wurde die gewohnte Zinne wieder bezogen und Werben hatte ein
Storchenpaar mehr. Und das Spiel begann von vorn. Die neue Unterkunft befand
sich auf einem Pfahl unweit des Elbtores. Und um das Elbtor endgültig vor
Neubezug zu schützen wurde ein Weidezaundraht um und durch die Storchenabweiser
gezogen und das hat dann auch geholfen.
Aber in der Zwischenzeit hatte es sich bei den Störchen
herumgesprochen, dass man in Werben optimale Lebensbedingungen hat. Und die
Population hat sich bei 15 Nestern im Stadtgebiet eingepegelt. Allerdings zur
„Storchendiscozeit“ Anfang Mai, wenn die Jungstörche Nistmöglichkeiten suchen
und alle Nester besetzt sind und trotzdem noch bis zu 50 Störche über unserer
kleinen aber feinen Hansestadt kreisen, müssen schon einige Schornsteine
gesichert werden, denn die Vögel wissen ja nicht, dass Schornsteine nicht nur
Nisthilfen sind. Vom Elbtor aus kann man sehr gut in das Nest auf dem Mast
schauen. Im April ist es grün wie eine Wiese und total flach. Erst wenn es
wieder bezogen ist werden die Ränder erhöht. Ich hatte ein Jahr die Möglichkeit
das frisch geschlüpfte Junge zu sehen – die ersten 10 Tage war es gelb wie ein
Gänseküken und erst danach wurde der Flaum weiß. Es hat sich prächtig
entwickelt, und da es ein Einzelkind war, war es sehr schnell flügge.
Im August, wenn die Brut flügge ist, und sich auf den
Abflug ins warme Winterquartier vorbereitet, kann man sie morgens auf vielen
Häusern klappern hören, und an Hand der weißen Stellen auf dem Dach kann man
noch lange Zeit sehen, wo sie gern und oft übernachtet haben.
Ich hatte das Problem, dass mich der Storch um 4°° Uhr
mit sehr lautem Klappern geweckt hat und ich ihn nicht sah. Es war frustrierend
– bis ich eines späten Abends im Schummerlicht sah, dass er auf meinem
Schornstein saß d.h. er übernachtete nur drei Meter über mir, irgendwelche
Scheuchversuche hat er einfach ignoriert.
Das Werbener Storchenjahr ganz kurz: Mitte April Ankunft,
Brut, Abflug um den 20 August, die Jungstörche zuerst, die Altstörche eine
Woche später.
Ich könnte noch einiges von und über unsere Störche erzählen, aber wofür gibt es den NABU – sie sind die Profis und sind immer bei uns auf dem Rathaus erreichbar.