Der Weißstorch

Werben ist eine Storchenstadt, 2009 hatten wir 16 besetze Nester mit nur 25 Nestlingen sowie etliche Jungstörche, die nach Nistgelegenheiten Ausschau hielten.  Wenn man Glück hat sieht man auch mal den seltenen und scheuen Schwarzstorch.

In diesem Jahr war der erste Storch schon in der letzten Februarwoche angereist, als noch eine komplette Schneedecke vorhanden war. Er besetzte ein Nest und stahl aus den anderen Nestern Baumaterial.

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Storch

Störche und Werben gehören in der Gegenwart zusammen wie Werben und (Elbe). Aus Erzählungen weiß ich, dass noch im 1000-jährigen eine Scheune nach Seehausen raus stand auf der ein Storchennest war, welches zu den Urnestern in Werben zählte. Selber habe ich es nie gesehen. Meine ersten Erinnerungen an Störche sind Erinnerungen an die vom Hungerturm – eigentlich kein Wunder – ich wurde im heutigen Kindergarten geboren und da hatte Adebar keinen weiten Weg um mich zu bringen nur ungefähr 50 Meter.

Aber es gab auch ein Nest in Neugoldbeck, das einzige Nest eines Weißstorches auf einem Baum, das ich je gesehen habe. Das Nest wurde bei einem Gewitter zerstört und nie wieder angenommen.

Für lange Zeit waren diese die einzigen Wohnungen der Werbener Störche – bis eines Tages ein Storch auf einer Zinne unseres alterwürdigen Elbtores sein Domizil aufschlug und eine Familie gründete. Es wäre ja eigentlich kein Problem gewesen, wenn nicht das Elbtor eine Aussichtsplattform mit einer wunderschönen Rundumsicht für Werbener und ihre Gäste gehabt hätte. Diese Plattform war nun für die Zeit der Brutpflege tabu. Also musste eine Idee her- und sie kam. Als im Nest die Jungen geschlüpft waren wurde der Möbelwagen in Form einer Leiter und beherzter Bürger bestellt und das Nest zog mit samt dem Inhalt auf eine nahe gelegene Scheune um und die Storcheneltern hinterher. Somit war das Panorama wieder zu genießen. Aber nur bis zum nächsten Jahr, denn da wurde die umgesiedelte Behausung besetzt und die gleiche Zinne des Elbtores wieder und Werben hatte ein Storchenpaar mehr. Und das Spiel begann von vorn. Die neue Unterkunft befand sich auf der Salzkirche. Um das ganze nicht in einer „never ending story“ ausufern zu lassen, wurden Storchenabweiser in Form von Regenschirmgestellen auf die Zinnen gepflanzt. Aber man hatte die Störche nicht gefragt ob die Gestelle beim Nestbau stören würden und so wurde die gewohnte Zinne wieder bezogen und Werben hatte ein Storchenpaar mehr. Und das Spiel begann von vorn. Die neue Unterkunft befand sich auf einem Pfahl unweit des Elbtores. Und um das Elbtor endgültig vor Neubezug zu schützen wurde ein Weidezaundraht um und durch die Storchenabweiser gezogen und das hat dann auch geholfen.

Aber in der Zwischenzeit hatte es sich bei den Störchen herumgesprochen, dass man in Werben optimale Lebensbedingungen hat. Und die Population hat sich bei 15 Nestern im Stadtgebiet eingepegelt. Allerdings zur „Storchendiscozeit“ Anfang Mai, wenn die Jungstörche Nistmöglichkeiten suchen und alle Nester besetzt sind und trotzdem noch bis zu 50 Störche über unserer kleinen aber feinen Hansestadt kreisen, müssen schon einige Schornsteine gesichert werden, denn die Vögel wissen ja nicht, dass Schornsteine nicht nur Nisthilfen sind. Vom Elbtor aus kann man sehr gut in das Nest auf dem Mast schauen. Im April ist es grün wie eine Wiese und total flach. Erst wenn es wieder bezogen ist werden die Ränder erhöht. Ich hatte ein Jahr die Möglichkeit das frisch geschlüpfte Junge zu sehen – die ersten 10 Tage war es gelb wie ein Gänseküken und erst danach wurde der Flaum weiß. Es hat sich prächtig entwickelt, und da es ein Einzelkind war, war es sehr schnell flügge.

Im August, wenn die Brut flügge ist, und sich auf den Abflug ins warme Winterquartier vorbereitet, kann man sie morgens auf vielen Häusern klappern hören, und an Hand der weißen Stellen auf dem Dach kann man noch lange Zeit sehen, wo sie gern und oft übernachtet haben.

Ich hatte das Problem, dass mich der Storch um 4°° Uhr mit sehr lautem Klappern geweckt hat und ich ihn nicht sah. Es war frustrierend – bis ich eines späten Abends im Schummerlicht sah, dass er auf meinem Schornstein saß d.h. er übernachtete nur drei Meter über mir, irgendwelche Scheuchversuche hat er einfach ignoriert.

Das Werbener Storchenjahr ganz kurz: Mitte April Ankunft, Brut, Abflug um den 20 August, die Jungstörche zuerst, die Altstörche eine Woche später.

Ich könnte noch einiges von und über unsere Störche erzählen, aber wofür gibt es den NABU – sie sind die Profis und sind immer bei uns auf dem Rathaus erreichbar.