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Eines der ältesten
Gebäude Werbens, die Lamberti-Kapelle. Sie wurde schon von den Johannitern
errichtet. Leider ist sie in einem bemitleidenswerten Zustand, da die
Eigentumsverhältnisse nicht geklärt und auch kein Geld vorhanden ist. Die
Restaurierung des angebauten Fachwerkschuppen hat sich schon von selbst
erledigt (also Geld gespart).
Die Lambertikapelle zu Werben
Die Geister zweier
Tempelritter, Dagobert und Rudolf, betrachten die heutige Lambertikapelle
auf der ehemaligen Domäne und es entsteht folgender Disput:
RUDOLF: „Gott zum Gruß
Bruder Dagobert!“
DAGOBERT: „Gott sei mit
dir Bruder Rudolf!“
RUDOLF: „Es ist
beschämend anzusehen, wie die ehemalige Johanniterkomturei, mit ihren einst
so stolzen Bauwerken zerfällt. Weißt du noch, als unser Orden aufgelöst
wurde und wir verfolgt Unterschlupf und freundliche Aufnahme bei den
hiesigen Johannitern fanden?“
DAGOBERT: „Aus
Dankbarkeit dafür haben wir auf dem Komtureibesitz dem heiligen Lambert
diese Kapelle errichtet.“
RUDOLF: „Das wir mit dem
Namen Lambert, der „der glänzende Landbesitzer“ bedeutet, unsere neuen
Mitbrüder ehren wollten, steht auf einem ganz anderen Blatt. Eigentlich
wollten wir nur auf unser Schicksal hinweisen, denn St. Lambert wurde wie
1312 unsere Mitbrüder vom Orden der Armem Ritterschaft Christi und des
salomonischen Tempels zu Jerusalem, verfolgt, eingesperrt und weil er
unbeugsam war ermordet.“
DAGOBERT: „Aber
wenigstens wurde er später rehabilitiert und heiliggesprochen!“
RUDOLF: „Schau dir an was
aus unserer Kapelle im Laufe der Zeit geworden ist!“
DAGOBERT: „Solang die
Johanniterkomturei noch in Amt und Würden war, wurde St. Lamberti noch in
Ehren gehalten.“
RUDOLF: „Obwohl die
Johanniter evangelisch wurden, die Schweden und einige andere Kriegsvölker
durch Werben zogen und wie die Vandalen hausten, unsere Stiftung hatte
Bestand. Und auch als die Komturei aufgelöst wurde und als Domänengut an
das Königreich Westfahlen – den gottlosen Franzosen – fiel, wurden die
Gebäude des Gutes in Ordnung gehalten.“
DAGOBERT: „Es war auch
ein kluger Schachzug des Preußenkönigs das Domänengut als Staatsgut zu
behalten und regelmäßig zu verpachten, ja damals herrschten noch Zucht und
Ordnung. Die Ställe wurden benutzt und die Scheuern waren gefüllt.“
RUDOLF: „Über die Zucht und
Ordnung im tausendjährigen Reich wollen wir uns lieber nicht auslassen!“
DAGOBERT: „Aber danach
kam das Chaos über das schöne Gut – die Bodenreform.“
RUDOLF: „Ich weiß noch,
daß sogar ein Minister von dem sogenannten Land „Sachsen – Anhalt“, sich
gegen eine Zersiedlung des Domänengutes aussprach, da es ja Staatseigentum
war, und somit nicht enteignet werden konnte. Aber er war wohl nicht in der
damals angenehmen Partei und so wurde seine Meinung nicht beachtet, was
wäre dem Gut und St. Lamberti erspart geblieben. Man hätte schließlich ein
Volksgut draus machen können aber das hätte wohl dem damaligen
Bürgermeister zuviel Aufwand gekostet und so ging man den leichteren und
populistischeren Weg.“
DAGOBERT: „Da wurden
Leute zu Neusiedlern, die noch nie was mit der Landwirtschaft zu tun
hatten. Hätte man ihnen erzählt die Kühe wären lila, sie hätten es
geglaubt. Aber wenigstens hatten einige eine landwirtschaftliche Ader.“
RUDOLF: „Damals wohnten
sogar einige Siedlerfamilien im Haupthaus der Domäne, aber als sie andere
Wohnungen erhielten, gaben sie ihre Wohnungen an die Stadt ab.“
DAGOBERT: „Und was machte
die Stadt und der damalige Bürgermeister daraus? Man versuchte ein Pionier-
und FDJ-Haus einzurichten – wo man unter anderem knapp 15 Jahre nach dem
Krieg den Kindern Waffen zeigte – wohl um sie für die neue Armee, der NVA
zu werben.“
RUDOLF: „Und als die LPG
gegründet werden sollte, rächte es sich zum ersten Mal, daß die Domäne
zersiedelt wurde. Man bekam nicht so ohne weiteres die Neubauern in die
Genossenschaft“.
DAGOBERT: „Man hat mit
Überzeugungsarbeit, sprich mehr oder weniger sanften Druck (oder
Drohungen), nachgeholfen, bis Werben vollkollektiviert war und das
Haupthaus wurde für die LPG Typ 3 „Rosa Luxemburg“, Büro, Küche und
Hauptsitz.“
RUDOLF: „Und unser St.
Lamberti wurde Werkstatt !!!!!“
DAGOBERT: „Irgendwann gab
es dann das Jugendobjekt „Altmärkische Wische“ und in den Gebäuden des
Domänenhofes übernachten die Jugendlichen aus dem Kreis Burg. Damals gab es
noch die schöne Freitreppe zum Saal der LPG im Hauptgebäude, wo noch eines
der ersten Fernsehgeräte Werbens stand – mit Fernbedienung (die Schnur war
bestimmt 5 Meter lang). Dort sind die Kinder zum schauen der Flimmerstunde
mit Meister Nadelöhr hingegangen.“
RUDOLF: „Und unser St.
Lamberti war Werkstatt !!!!!“
DAGOBERT: „Plötzlich gab
es keine Pferde und Kühe in den Stallanlagen mehr und die schönen
historischen Anlagen gingen langsam den Bach runter. Nur aus der einen
Scheune wurde eine Siloanlage für Futtermittel und am Hauptgebäude gab es
eine Frachtwaage.“
RUDOLF: „Und unser St.
Lamberti war Werkstatt !!!!! Begann zu zerfallen und man baute ein paar
hässliche Garagen daneben.“
DAGOBERT: „Aber auch das
Aussehen des Gutsgebäudes hat gelitten als die Freitreppe verschwandt.“
RUDOLF: „Die alte Jauchengrube
wuchs langsam zu, der Misthaufen war schon lange verduftet.“
DAGOBERT: „Als dann die
DDR 31/3 mal so alt war wie das Tausendjährige Reich
wurde, hat sie in aller Stille ihren letzten Geburtstag gefeiert und ward
nicht mehr gesehen. Nun sollte alles besser werden, aber da war ja noch das
Ergebnis der Bodenreform und das rächte sich zum zweiten Mal. Es gab, nach
Auflösung der LPG, 8 Erbengemeinschaften, die ihren Anteil vom Gutshof
zurückerhielten und bei einigen wußte man nichts genaues nicht.“
RUDOLF: „Und unser St.
Lamberti war keine Werkstatt mehr sondern nur noch ein ungenutztes Gebäude
um das sich keiner mehr kümmerte !!!!!“
DAGOBERT: „Die Ställe
zerfielen immer mehr, ihre Dächer stürzten ein und der Hof verwahrloste.
Auf der Anlage hatte sich die Elbe-Kanu GbR eingemietet und es waren einige
Nutzungskonzepte für das Gut im Gespräch, die aber meist an den
Eigentumsverhältnissen scheiterten. Auch für die Johanniter war unsere
Kapelle vollkommen unbekannt und uninteressant.“
RUDOLF: „Und bei unserer
St. Lamberti begannen sich die Giebel zu neigen.“
DAGOBERT: „Plötzlich und
unerwartet brach dann der angebaute Fachwerkschuppen zusammen, der Schutt
wurde abtransportiert und St. Lamberti vollkommen leergeräumt. Es hieß für
dir Renovierung der Kapelle wäre Geld vorhanden aber die
Eigentumsverhältnisse nicht geklärt und das Ergebnis der Bodenreform rächte sich zum dritten Mal.“
RUDOLF: „Das Schicksal
des Schuppens ist besiegelt aber das Schicksal unserer Stiftung hoffentlich
noch lange nicht.“
DAGOBERT: „Als die St.
Johanniskirche den 850 Jahrestag für ihren Baubeginn feierte waren auch
viele Johanniter unter den Gästen. Die Stadtväter und die Ordensleute kamen
überein, dass man sich um St. Lamberti kümmern würde. Aber außer das einige
ABM-Kräfte auf dem Gelände Aufräumarbeiten durchführten, hat sich noch
nichts getan.“
RUDOLF: „Es wird Zeit,
carpe diem, büstreje, avanti, alez – der Zahn der Zeit nagt und unsere
Kapelle kann ihm nicht mehr lange Widerstand entgegensetzen. Aber 2011 soll
ja alles anders werden, oder 2012, oder 2013……“
DAGOBERT:
„Unser Wissen ist unsere Geschichte, und ein wenig hat Hajo Gast unser
Wissen aufpoliert.“
Soweit das Gespräch der
Geister.
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